CD -- Besprechungen

Künsterlin spricht die Sprache der Kinder

Die Berliner Suli Puschban trat im Rahmen der Kinder-Kultur-Tag in der Idarer Marktschule auf IDAR-OBERSTEIN. Hochintelligente, lustige Texte, schöne Rockmelodien und ein Gespür dafür, ein Publikum zu aktivieren - all diese Attribute kann man auf Suli Puschban anwenden, die am Donnerstagmorgen ein außergewöhnliches Konzert im Rahmen der Kinder-Kultur-Tage in der Idarer Marktschule gab. Suli Puschban arbeitet in Berlin-Kreuzberg an einer Grundschule. Und sie spricht die Sprache der Kinder. Das merkt man von der ersten Sekunde ihres rund 75 minütigen Auftritts an. «Ich sehe aus wie Elvis» heißt nicht nur ihr Programm, sondern ist auch der erste Titel. Gleich bezieht sie sowohl Kinder als auch Erwachsene in ihr Spiel ein. Mit ihren kraftvollen, ausdrucksstarken Stimme ist sie die Vordenkerin und gibt den Text vor, den die Kinder begeistert nachsingen. Und nicht nur das. Sowohl beim «Elvis»-Stück als auch beim nachfolgenden «Im Fußballstadion» hat man in den ersten Minuten das Gefühl, am richtigen Ort, der Turnhalle, zu sein. Einer musikalischen Turnstunde gleich, werden die verschiedensten Übungen, wie Hände in die Luft strecken, tanzen, dehnen oder gar schauspielerisch in Ohnmacht fallen, ausgeführt. «Damals hinterm Mond» von «Element Of Crime» habe sie dazu ermutigt, deutschsprachige Texte zu schreiben, erklärt die symphatische Singer-Songwriterin. Und dass Sven Regener ein Vorbild ist, merkt man der musikalisch an amerikanischen Singer-Songwritern (Bob Dylan) orientierten Künstlerin in ihren Texten an. Bestes Beispiel ist der Titel «Scheiße sagt man nicht», bei der sich die Erwachsenen in der Turnhalle die Ohren zuhalten sollen. Dieser Titel enthält Schulhofgossenlyric, wie man sie nicht besser machen kann. Sie spricht hier die derbe Sprache der Kinder. Leicht pikiert wirken im ersten Moment die Lehrerinnen bei Zeilen wie «Scheiße, meine Lehrerin ist nicht ganz dicht». Dass sehr viele der rund 100 Kinder der Idarer Schule Rockstar werden wollen, ist schon verwunderlich. Auch dieses Thema behandelt Suli Puschban im gleichnamigen Titel «Rockstar». «Reden reden reden» beinhaltet das Thema Gewalt. Ihr Fazit, dass miteinander reden besser ist, als sich zu schlagen, verpackt sie geschickt in ihren Versen. 15 Minuten Zugaben mit den zuvor gehörten Songs und eine lang andauernde Autogrammstunde beendeten den Arbeitsmorgen der Suli Puschban, deren Konzert sowohl musikalisch als auch textlich - vor allem wegen der Wirklichkeitsnähe zur heutigen Kindersprache gesehen - sicherlich das bisher beste der diesjährigen Kinder-Kultur-Tage war.

Erhard Hahn, Nahe-Zeitung 26. 4. 08

Kindermusik-Festival in der Tafelhalle:

Stielaugen-Monster und Stinkesocken Wie zwei überdimensionale gelbe Flummis hüpfen Philis & Mike über die Bühne – in etwas gehüllt, das einem Ganzkörper-Ostfriesen-Nerz ähnelt. Kein Zweifel: In puncto Extravaganz und Bühnenoutfit schlagen die Opener jeden Castingshow-Kandidaten. Die Hand zur Klaue gebogen und auf einem Bein stehend, rocken und rappen die Kinderstars zu den Klängen ihres Songs «Allein unter Wilden« durch eine bizarre Kulisse aus stieläugigen Monstern und grinsenden Verkehrskegeln. Vernunft? Verbote? Pustekuchen! Die Gesetze der Erwachsenenwelt treten beim 9. Geraldino-Kinderfestival in der Tafelhalle für zwei Tage außer Kraft. Stattdessen darf die kindliche Fantasie wild wuchern. Denn die Großen sind bei dieser Show zwar erwünschtes, aber nur schmückendes Beiwerk. Durch 68 Wettbewerbs-Beiträge hatte sich eine Jury aus Medienmachern und Kindern vorab gewühlt. Und die drei Endfinalisten kämpften am Samstag um die Ohren und Herzen des Publikums.

«Ordnung halte, liebe sie«. Dieser Songtitel klingt zunächst oberlehrerhaft und nach einer Ode an verstaubte deutsche Tugenden. Aber der erhobenen Zeigefinger liegt dem Duo «Ratz Fatz« aus Innsbruck fern. Augenzwinkernd erzählen sie von ihrem häuslichen Chaos, wo sich Stinke-Socken im Kochtopf verstecken, die Brille im Aquarium dümpelt – und bringen ihr Auditorium auf hintersinnige Weise ins Grübeln, ob Anarchie im Kinderzimmer wirklich die beste Lösung sein kann. Die pfiffigen Multi-Instrumentalisten verarbeiten von arabesken Elementen bis zu volkstümlichem Liedgut so ziemlich jede Musikrichtung. Ob die stimmsicheren Tiroler zur selbstgebauten Teufelsgeige, Ziehharmonika oder Mandoline greifen – die Kinder hängen gebannt an Lippen und Händen der zwei Bühnen-Clowns und swingen mit im Takt des «Sock’n’Roll«.

«Sch..., Pi..., Ar...« Die Dritte im Wettbewerb, Suli Puschban, feuert eine Schimpfkanonade ins Publikum, die selbst einem Dieter Bohlen ein anerkennendes Grinsen ins Gesicht getrieben hätte. Gehört sich so etwas auf einem Kinderfestival? Ja! Denn die Berlinerin, die an einer Ganztagsschule arbeitet, verwendet in ihrem Lied «Sch... sagt man nicht« lediglich «das Vokabular, dass ich tagtäglich auf dem Pausenhof höre«. Ein leicht provokantes, lustig-nachdenkliches Lied, das in Zeiten zunehmender schulischer Gewalt voll ins Schwarze trifft. Im Song «Ich seh aus wie Elvis« lässt die 42-Jährige Rock- und Pop-Heroen des Musikbusiness antreten – vom King höchstpersönlich bis zu Gangsta-Rapper 50 Cent. Außerdem huldigt sie König Fußball und erzeugt Stadion-Atmosphäre samt La-Ola-Welle und Schlachtengesängen. Das besondere am Geraldino-Kinderfestival: Die Akteure vor und auf der Bühne kommen bei den interaktiven Darbietungen gleichermaßen ins Schwitzen. Ob Mitsingen, Tanzen oder Klatschen: Eltern und Sprößlinge sind voll ins Geschehen eingebunden. Dafür sorgt auch Moderator und Festival-Namensgeber Geraldino mit seinen «Plompsters«, der mit den Kleinen durchs Weltall saust, sie auf eine Trauminsel und zur gruseligen Geisterbahnfahrt mitnimmt.

So unterschiedlich die Beiträge auch sein mögen, alle Interpreten haben eins gemeinsam: Sie werden wohl nie ganz erwachsen werden – und das ist auch gut so. In Philis & Mike stecken trotz ihrer 35 Jahre zwei echte Kinds-Köpfe. Umringt von Autogrammjägern, albern und zappeln sie auch während der Pause herum. «Wir haben immer noch eine lebhafte Erinnerung an die eigene Kindheit und uns eine blühende Fantasie erhalten«, sagen die langjährigen Freunde unisono. Ihre ersten musikalischen Gehversuche starteten sie vor einer älteren Zuhörerschaft, schwenkten aber bald auf jüngere Zuhörer um: «Mit Kindern macht es einfach viel mehr Spaß, sie sind ein unglaublich dankbares Publikum«. Alle drei Festival-Teilnehmer sehen ihre Kinder(lied)erei als Hobby. «Wir könnten davon leben«, sagt Fatz alias Frajo Köhle, «aber wir haben Familie und dann wären wir ständig unterwegs.« Ihre Fans würden den studierten Musikern ihre Scheiben wahrscheinlich aus den Händen reißen: Sie heben die alpenländischen Nachbarn aufs Siegerpodest und verhelfen ihnen so zu 2500 Euro Preisgeld. Für die Party im Kinderzimmer gibt´s ab sofort die aktuelle CD zum Festival mit den Plätzen eins bis zwölf des Wettbewerbs, der Erlös dient wie immer einem guten Zweck. Mit dabei sind natürlich auch die Zweit- und Drittplatzierten Philis & Mike sowie Suli Puschban. Sock’n’Roll forever!

Florian Büttner Nürnberger Zeitung

"SULI PUSCHBAN macht Musik für Kinder ... sie scheut sich nicht die dicksten Schimpfwörter in ein Lied zu packen. Ihre Songs klingen mal romantisch, aber meistens ziemich rockig."

Berliner Zeitung

"Suli Puschban hat eine Kinderplatte mit 13 Songs gemacht, die vom Arrangement und der Produktion absolut professionell und vom Inhalt clever und humorvoll geraten ist. ... Suli Puschbans Songs sind durch die Bank weg ein gelungener Versuch, Kinder als ernst zu nehmende Zuhörer zu gewinnen. Die Texte, die mit ihrem Erzählcharakter zwischen Großstadtrealität und Märchenwelt deutlich über normales Kinderliedtralala hinausgehen, geben ihren (kleinen) Fans die Möglichkeit auch intellektuell dazu zu gewinnen."

Tip Berlin

"Ich sehe aus wie Elvis ist der titelgebende Song von Suli Puschbans CD, und die Frau hat fantastisches Gespür für anspruchsvolle und mitreißende Kindermusik, die auch Erwachsene nicht kalt lässt. Da mischen sich Country, Techno- und Karibiksounds, die Texte drehen sich um Piratinnen, Supernovas und Geschlechterklischees - kurz alles, was Kinder eben so bewegt."

Zitty Berlin

"Suli Puschban macht tolle und spaßige Musik für Kinder zwischen 6 und 12 Jahren über Piratinnen, Popstars und Beziehungskisten, verpackt in anspruchsvolle Sounds von Country bis Techno."

Der Tagesspiegel

Meine eigenen Kinder (im Grundschulalter) jedenfalls sind schnell der eigentümlichen Faszination von Suli Puschban erlegen. Die Sängerin hat eine angenehm sanfte, melancholische Stimme, die nicht einen Ton lang anbiedernd nach Kinderlied klingt. Sie hat etwas Lakonisches, manchmal schwingt eine leise ironische Distanz mit. Die Musik ist mal schlicht, mal pathetisch und groß auftrumpfend. Wenn dies Kinderlieder sind, dann für solche Kinder, die ganz ernst genommen werden wollen - nicht als kleine Erwachsene, aber aber als selbstbewusste Wesen, deren Ängste und Träume mindestens so wichtig sind wie die der Erwachsenen. Genauso aber sind es Lieder für Erwachsene, die etwas von Kindsein bewahrt haben. Wenn es überhaupt Sinn macht, solche Unterscheidungen zu treffen.

Stefan Schmöe, OMM

Suli Puschban begeistert nicht nur Kinder bei ihrem Konzert in der Stadthalle Rheine. Im Seminarraum 2 der Stadthalle war am frühen Sonntagnachmittag der Bär los. Kein wildes Tier strich durch die Gänge, sondern ungezählte Kinder strömten zum Konzert mit Suli Puschban. Und die sechs- bis zwölfjährigen Kids bereuten ihr Kommen mit Sicherheit nicht. Die in Berlin lebende und mit unverwechselbaren Wiener Wurzeln versehene Suli Puschban versteht ihr Handwerk. Seit ihrer eigenen Kindheit macht die ausgebildete Sozialarbeiterin Musik. Sie schreibt ihre Lieder und Texte selbst und trifft mit ihren eingängigen Melodien genau den Geschmack der jüngeren Generation.

Ihre Texte sind aber nicht das, was allgemein als „kindgerecht“ bezeichnet wird. Kinder verstehen mehr als Erwachsene oft denken. Und so macht Suli Puschban Musik für Kinder, die den Mitmach- Liedern entwachsen sind und für die im Tokio Hotel noch (glücklicherweise) kein Zimmer frei ist. „Ich sehe aus wie Elvis“ heißt ihre erste CD, die im Müller-Lüdenscheidt-Verlag – Loriot lässt grüßen – erschienen ist. Unter diesem Titel begeistert sie quer durch die Nation bei ihren Konzerten. In Rheine zeigte sie sich als wahre Löwenbändigerin, der die Kinder bereitwillig ins Land der Fantasie folgten.

Mit klarer Stimme sang sie von „Schutzengeln“, ließ „blaue Gespenster“ vor den Augen der Kinder auftauchen, besang einen „sagenhaften Sommer“ bei einem Tag im Zoo. Mit ihrer angenehm sanften, fast melancholisch klingenden Stimme erreichte sie die Herzen der kleinen und großen Zuhörer. Ob Country, Techno, Rock oder Karibik – in Rheine sprudelten die facettenreichen Songs der Liedermacherin. Euphorisch mitreißend besang sie die „Supernova“, tanzten die Kinder hüftschwingend bei „Ich sehe aus wie Elvis“ und schwelgten in leiser Melancholie bei „Unter Wasser“. Clever und humorvoll agierte Suli Puschban umringt von Kindern, die sich noch begeistern ließen, die mitsangen und für die die Zeit einfach zu schnell verging. Kinder sind eben nicht „kleine Erwachsene“, sondern selbstbewusste Kids mit eigenen Ängsten und Träumen. Diese wurden in den Liedern aufgenommen, poetisch und gleichzeitig bedeutungsvoll. Auch viele Erwachsene erlagen der Faszination der sympathischen Sängerin. Denn sie sang auch für die, die sich etwas vom Kindsein bewahrt haben. Ihre Musik animierte zum Mitmachen, zum Nachdenken über die eigene Welt. So vielschichtige Musik gibt es leider viel zu selten, die über 80 Besucher in Rheine waren einfach begeistert.

Axel Engels Münstersche Zeitung